Weißt du, was ich an Pasteten so liebe? Es ist dieses Gefühl von unverfrorenem Luxus. Man beißt in eine knusprige, goldbraune Hülle und wird von einer warmen, cremigen Füllung überrascht, die einfach alles richtig macht. Und das Beste daran: Die Vorstellung, dass so etwas Köstliches kompliziert sein muss, ist ein absoluter Mythos. Ich möchte dir heute zeigen, wie du mit ein paar einfachen Handgriffen und ein bisschen Liebe zum Detail Pasteten zauberst, die deine Gäste umhauen – oder die einfach nur ein verdammt gutes Abendessen für dich allein sind. Vergiss diese trockenen, teigigen Fertigteile aus dem Supermarkt. Hier geht es um hausgemachte Herrlichkeit, bei der du jeden Schritt kontrollierst. Also, schnapp dir deine Schürze und lass uns loslegen. Es wird lecker!
Zutatenliste
Das Schöne an diesem Grundrezept ist seine Flexibilität. Wir starten mit einer klassischen, saftigen Hühnerfüllung, aber trau dich ruhig, später zu variieren. Für den Teig verwenden wir Blätterteig aus dem Kühlregal – kein Grund für schlechtes Gewissen, der ist ein verlässlicher Helfer und spart eine Menge Zeit, ohne an Geschmack zu sparen.
Für die Füllung (für ca. 6 große oder 12 kleine Pasteten):
- 500 g Hähnchenbrustfilet, in kleine Würfel geschnitten
- 1 mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 Karotten, in kleine Würfel geschnitten
- 2 Stangen Staudensellerie, fein gewürfelt
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
- 200 g Champignons, in Scheiben geschnitten
- 100 ml trockener Weißwein (oder Gemüsebrühe)
- 250 ml Sahne
- 2 EL Mehl
- 2 EL Butter
- 1 EL Olivenöl
- 1 Bund frischer Thymian (oder 1 TL getrockneter)
- 1 Lorbeerblatt
- Frisch geriebene Muskatnuss
- Salz und frisch gemahlener Pfeffer
Weiteres:
- 1 Rolle (ca. 275 g) fertigen Blätterteig (aufgetaut, aber kühl)
- 1 Eigelb, verquirlt mit 1 EL Milch (für den Glanz)
- Etwas Mehl für die Arbeitsfläche
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Die Füllung – das Herzstück
Hier entscheidet sich alles. Die Füllung muss intensiv schmecken und eine schöne Bindung haben, sonst wird’s eine wässrige Angelegenheit.
In einer großen Pfanne oder einem Bräter die Butter mit dem Olivenöl erhitzen. Die Hähnchenwürfel darin bei guter Hitze rundherum kräftig anbraten, bis sie Farbe bekommen. Mit Salz und Pfeffer würzen und aus der Pfanne nehmen.
Jetzt kommen die Zwiebel, Karotten und Sellerie in dasselbe Fett. Bei mittlerer Hitze etwa 8-10 Minuten anschwitzen, bis sie weich werden und leicht Farbe annehmen. Die Pilze und den Knoblauch dazugeben und weitere 3-4 Minuten mitbraten.
Staub das Gemüse mit dem Mehl ein und rühre gut um, bis alles bedeckt ist. Das Mehl bindet später die Sauce. Jetzt den Weißwein angießen und unter Rühren loskochen, bis die Flüssigkeit fast vollständig verkocht ist. Das löst die Röstaromen vom Pfannenboden – das nennt man „deglacieren“ und ist ein absoluter Game-Changer für den Geschmack.
Die Sahne, den Thymian (die Blätter abgezupft), das Lorbeerblatt und eine kräftige Prise Muskatnuss hinzufügen. Das angebratene Hähnchen wieder in die Pfanne geben. Alles auf niedriger Hitze etwa 10-15 Minuten köcheln lassen, bis die Sauce cremig und eingedickt ist. Sie sollte die Konsistenz einer dicken Rahmsauce haben. Abschmecken – hier darf ruhig kräftig gewürzt sein, denn der Teig nimmt später etwas Geschmack auf. Die Füllung komplett abkühlen lassen! Das ist der häufigste Fehler: Warme Füllung macht den Teig matschig. Am besten stellst du sie für eine Stunde in den Kühlschrank.
2. Die Teighülle – der knusprige Mantel
Heize deinen Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vor (Umluft 180°C). Lege ein Backblech mit Backpapier aus.
Den kühlen Blätterteig auf einer leicht bemehlten Fläche ausrollen. Für große Pasteten schneidest du etwa handtellergroße Quadrate oder Kreise aus. Für Mini-Pasteten (perfekt für Partys!) verwendest du einen Glasrand oder Ausstecher.
Ein Profi-Tipp: Lasse einen Rand von ca. 1 cm frei, den du später zum Verschließen brauchst.
3. Das Füllen und Verschließen – wo die Magie passiert
Lege einen Teigling vor dich. In die Mitte kommt ein gehäufter Esslöffel (für große) oder ein Teelöffel (für kleine) der kalten Füllung. Achte darauf, dass keine Sauce an den Rand läuft, sonst klebt es nicht.
Mit einem Pinsel bestreichst du den freien Teigrand vorsichtig mit dem verquirlten Eigelb. Das ist dein Kleber. Jetzt klappst du den Teig vorsichtig über die Füllung zu einem Dreieck oder Halbmond und drückst die Ränder fest zusammen. Drücke sie dann mit einer Gabel schön fest, um sie zu versiegeln – das sieht nicht nur hübsch aus, es verhindert auch, dass sie im Ofen aufgehen.
Setze jede Pastete auf das vorbereitete Backblech. Mit einem scharfen Messer einen kleinen Schlitz in die Oberseite stechen. Das lässt den Dampf entweichen und verhindert, dass sie explodiert. Ja, das ist schon vorgekommen!
4. Das Backen – der finale Countdown
Pinsle die Pasteten großzügig mit der restlichen Eigelb-Milch-Mischung ein. Das gibt diesen wunderbaren, tiefgoldenen Glanz.
Ab in den Ofen für 20-25 Minuten (etwas kürzer für Mini-Pasteten), bis sie aufgegangen, knusprig und gleichmäßig braun sind. Lass sie nach dem Backen für 5 Minuten auf dem Blech ruhen – die Füllung ist lavaheiß!
Anmerkungen und Variationen
Jetzt hast du das Grundhandwerk drauf. Aber das ist erst der Anfang. Pasteten sind eine Leinwand für deine kulinarischen Ideen.
Klassiker neu interpretiert
Wie wär’s mit einer rustikalen Steak-and-Ale-Pastete? Ersetze das Hähnchen durch gewürfelte Rindergulasch und den Weißwein durch ein dunkles Bier. Dazu etwas Speckwürfel anbraten – himmlisch.
Oder eine vegetarische Variante: Pflanzliche Alternative? Kein Problem! Räuchertofu oder braune Linsen anbraten und mit Spinat, Feta und Pinienkernen kombinieren. Die Sahne durch Crème fraîche ersetzen.
Tipps aus der Profiküche
Vorbereitung ist alles: Die Füllung kannst du problemlos einen Tag vorher zubereiten. Noch besser wird der Geschmack, wenn sie über Nacht durchzieht.
Die Konsistenzfrage: Ist deine Füllung nach dem Abkühlen zu fest? Ein Schuss Brühe oder Sahne rührt sie wieder cremig. Ist sie zu flüssig? Ein wenig Instant-Kartoffelpulver oder ein Teelöffel Stärke mit kaltem Wasser angerührt unterrühren und kurz aufkochen lassen.
Experimentiere mit dem Teig: Streue vor dem Backen grobes Meersalz, Sesam oder alles-Gewürz auf die eingepinselten Pasteten. Oder bestreiche sie mit geschmolzener Butter und Knoblauchpulver für eine extra-knusprige, aromatische Kruste.
Das Wichtigste zum Schluss: Hab keine Angst davor. Pasteten sind großzügig. Selbst wenn sie nicht perfekt aussehen – der Geschmack wird immer überzeugen. Also, worauf wartest du? Such dir deine Lieblingskombination aus und lass dich von deiner eigenen, hausgemachten Pasteten-Kreation überraschen. Guten Appetit!




