Stell dir vor, du kommst von einem langen Winterspaziergang nach Hause. Die Kälte sitzt dir noch in den Knochen, die Finger sind klamm, und selbst die dicke Decke auf dem Sofa wirkt nicht ganz einladend. Jetzt braucht es etwas, das von innen wärmt – nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Etwas, das nach Zimt, Orange und gemütlichen Abenden duftet. Genau dafür ist dieser Glüh Gin da. Vergiss den standardisierten Glühwein vom Weihnachtsmarkt; heute machen wir unsere eigene, raffinierte und unwiderstehlich aromatische Bowle, die den Gin nicht untergehen lässt, sondern ihn zur strahlenden Hauptfigur macht. Das ist mehr als nur ein Rezept; das ist dein Geheimnis für perfekte Winterabende, ob allein mit einem Buch oder in fröhlicher Runde mit Freunden.
Zutatenliste
Für etwa 6-8 Gläser brauchst du:
- 1 Bio-Orange (unbehandelt, wir verwenden die Schale)
- 1 Flasche (700 ml) eines guten, aber nicht übermäßig komplexen London Dry Gins. Er ist die Basis, also sollte er sauber und botanisch sein, aber den anderen Aromen Platz lassen.
- 500 ml trockener Rotwein (ein fruchtiger Portugieser oder ein leichter Dornfelder sind ideal – es muss kein teurer Burgunder sein)
- 250 ml Apfelsaft (trübe, naturbelassen, für eine schöne Fruchtnote)
- 150 g Rohrohrzucker oder brauner Zucker (für die Karamellnote)
- 4-5 Gewürznelken
- 2 Sternanis
- 1 Zimtstange (bitte keine gemahlene Zimt-Pulver-Explosion!)
- Optional: 1 kleines Stück frischer Ingwer (daumennagelgroß, in Scheiben geschnitten)
- Zum Servieren: Frische Orangenscheiben und eventuell eine extra Zimtstange pro Glas fürs Auge.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Die Grundlage: Der Zuckersirup mit Seele
Hier passiert der erste Zauber. Nimm einen großen Topf (keinen Aluminiumtopf, der kann mit dem Wein reagieren!). Gib den Zucker, den Apfelsaft und den Rotwein hinein. Jetzt kommt der kritische Fehler, den viele machen: Wir kochen den Gin nicht mit! Er wird erst ganz zum Schluss zugegeben, sonst verflüchtigt sich sein wertvolles Aroma und der Alkohol. Erhitze die Mischung aus Wein, Saft und Zucker nur bei mittlerer Hitze und rühre, bis sich der Zucker komplett aufgelöst hat. Sobald es leicht dampft und du die ersten kleinen Bläschen am Rand siehst, ist es Zeit für die Gewürze.
2. Das Aromaspiel: Die Gewürze entfalten
Wasche die Orange gründlich ab. Mit einem Sparschäler oder einem scharfen Messer dünne Streifen der orangenen Schale abziehen – wirklich nur die oberste, farbige Schicht, nicht die weiße Bitterhaut darunter. Diese Streifen kommen zusammen mit der Zimtstange, den Nelken, dem Sternanis und dem Ingwer (falls verwendet) in den Topf. Jetzt die Hitze auf die niedrigste Stufe reduzieren. Lass das Ganze für mindestens 20, besser 30 Minuten ganz sanft ziehen. Es sollte auf keinen Fall kochen! Stell dir vor, du lässt einen riesigen Tee aus Wein und Gewürzen ziehen. Dieser Schritt ist entscheidend für die Tiefe. Schmecke zwischendurch mal mit einem Löffel: Wird die Zimtnote zu dominant? Nimm die Stange einfach raus. Perfektion ist hier Geschmackssache.
3. Die finale Magie: Die Vereinigung
Nimm den Topf vom Herd. Jetzt ist der große Moment für den Gin. Gieße die ganze Flasche in die warme, nicht mehr kochende Gewürzmischung. Rühre einmal sanft um. Der Duft, der dir jetzt entgegenströmt, ist der pure Winter. Lasse die Bowle nun für weitere 10 Minuten einfach stehen, damit sich die Aromen heiraten können.
4. Servieren: Die Inszenierung
Siebe die Bowle durch ein feines Sieb in einen sauberen Krug oder eine wärmefeste Karaffe, um die Gewürze und Orangenschalen aufzufangen. Das ist nicht nur hübscher, sondern verhindert, dass der Geschmack im Nachhinein zu intensiv wird. Serviere den Glüh Gin in vorgewärmten Tassen oder hitzebeständigen Gläsern. Eine frische Scheibe Orange und eine eigene kleine Zimtstange machen jedes Glas zu einem kleinen Kunstwerk. Und denk dran: Diese Kreation ist schon stark. Sie wärmt von innen heraus, also genieße sie in Ruhe.
Anmerkungen und Variationen
Deine persönliche Note
Dieses Rezept ist deine Leinwand. Der klassische London Dry Gin kann problemlos durch einen krautigeren Gin mit Rosmarin- oder Wacholdernote ersetzt werden – das gibt eine wunderbar herbe, alpine Richtung. Probiere es mal mit einem Zitronen-Gin für eine frischere Variante. Und was den Wein angeht: Ein Restweißwein im Kühlschrank? Kein Problem! Ein Glüh Gin auf Weißweinbasis wird heller, fruchtiger und ist eine fantastische Abwechslung. Einfach den Rotwein durch einen trockenen Weißwein ersetzen und vielleicht etwas weniger Zucker nehmen.
Die große Vegane-Frage & die Süße der Sache
Apropos Zucker: Die angegebene Menge ergibt eine ausgewogene, nicht zu süße Bowle. Mein Insider-Tipp: Serviere den Glüh Gin immer mit einem Löffel neben dem Krug. So kann jeder, dem es noch nicht süß genug ist, einfach etwas Honig oder Agavendicksaft in seinem eigenen Glas nachsüßen. So bist du auf der sicheren Seite. Und ja, dieses Rezept ist von Haus aus vegan, sofern der Zucker es ist.
Vorbereitung ist alles
Du erwartest Gäste und willst nicht in der Küche stehen? Kein Thema. Bereite die gewürzte Wein-Apfelsaft-Mischung komplett vor und siebe sie ab. Kühl sie in einer Flasche auf. Wenn es losgeht, erwärme sie nur noch sanft und gib erst dann den Gin hinzu. So bleibt sein Bukett perfekt erhalten.
Der ultimative Geheimtipp: Die kalte Version
Und für alle, die im Winter auch mal etwas Erfrischendes brauchen: Lass den gekochten Teil komplett weg. Mache einen starken Gewürzsirup aus Wasser, Zucker, den zerkleinerten Gewürzen und der Orangenschale. Siebe ihn ab, kühle ihn und vermische ihn kalt mit dem Gin, einem Schuss Rotwein und Apfelsaft. Auf Eis serviert, mit einem Sprudel Topping – das ist der atemberaubende „Winter-Gin-Tonic“, der jeden Cocktailabend im Dezember revolutioniert.
Also, schnapp dir den Topf und vertraue deinem Geschmack. Der perfekte Winterabend wartet nicht, er wird gemixt. Prost auf die gemütliche Zeit!




