Du kennst das sicher: Es ist Sommer, die Sonne brennt auf den Garten, der Grill steht bereit, aber irgendwie fehlt noch das eine Gericht, das nicht schwer im Magen liegt, aber trotzdem richtig satt macht. Oder es ist Brotzeitzeit in der Hütte, nach einer langen Wanderung. In genau diesen Momenten schlägt die große Stunde des Bayerischen Wurstsalats. Das ist kein Salat im herkömmlichen Sinn, sondern eine kraftvolle, herzhafte und ungemein erfrischende Komposition, die in ihrer Einfachheit einfach unschlagbar ist. Vergiss alles, was du an labbrigen, mayo-lastigen Wurstsalaten aus der Kühltheke kennst. Hier geht es um das Original, um die reine, unverfälschte Kunst der bayerischen Brotzeit. Ein Gericht, das Geschmacksträger ist, Gespräche fördert und immer passt. Es ist mehr als nur Essen; es ist ein Gefühl von Zuhause, von Gemütlichkeit und von purem Genuss. Lass uns gemeinsam dieses kleine, aber feine kulinarische Meisterwerk zubereiten. Du wirst sehen, mit den richtigen Kniffen wird daraus eine Offenbarung.
Zutatenliste
Die Magie des originalen Bayerischen Wurstsalats liegt in der Qualität und dem Verhältnis der wenigen Zutaten. Halte dich daran, und du kannst nichts falsch machen. Die Mengenangaben sind für 4 Personen als Hauptgericht oder für 6-8 Personen als Teil einer großen Brotzeitplatte gedacht.
- 600 g gekochter Regensburger oder gelbe Rüben (Das ist entscheidend! Die grobe, kräftige Brühwurst gibt den typischen Biss. Keine Wiener Würstchen!)
- 2 mittelgroße, festkochende Salatgurken (am besten einheimische)
- 1 große rote Zwiebel
- 150 g (etwa ein großes Glas) saure Gurken (Gewürzgurken)
- 3-4 EL fein gehackter frischer Schnittlauch
- 5 EL guter Obstessig (Apfelessig geht auch, aber Obstessig ist milder und fruchtiger)
- 3 EL neutrales Öl (Sonnenblumen- oder Rapsöl)
- 6-8 EL der Gurkenlake von den sauren Gurken (Das ist das Geheimnis!)
- 1 TL mittelscharfer Senf
- 1 Prise Zucker (ausgleichend)
- Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- Salz (Vorsicht, oft braucht es keines extra!)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Hier geht es nicht um hohe Kunst, sondern um Präzision und Liebe zum Detail. Nimm dir Zeit fürs Schneiden – das ist der halbe Genuss.
- Die Wurst vorbereiten: Zuerst die Regensburger schälen. Das geht am besten, wenn du mit einem scharfen Messer die Haut einmal der Länge nach einschneidest und sie dann einfach abziehst. Schneide die Würste dann erst in dünne Scheiben und danach in feine Streifen (Julienne). Je gleichmäßiger, desto besser. Gib sie in eine große, schöne Salatschüssel.
- Gemüse schnippeln: Wasche die Salatgurken und schäle sie nach Belieben. Ich lasse meist ein wenig Schale dran für die Farbe und den Biss. Halbiere sie der Länge nach, entferne mit einem Löffel die Kerne (die machen den Salat später wässrig!) und schneide das Fruchtfleisch in dünne Halbmonde. Die sauren Gurken ebenfalls in feine Streifen schneiden. Die rote Zwiebel halbieren, in feine Halbringe schneiden und für 5 Minuten in eiskaltem Wasser einweichen – das nimmt die allzu aggressive Schärfe und macht sie bekömmlicher. Alles zur Wurst in die Schüssel geben.
- Das Dressing anrühren – der Herzschlag des Salats: In einem kleinen Glas oder einer Schüssel verquirlst du den Senf, den Essig, die Gurkenlake, den Zucker und eine kräftige Mahlung schwarzen Pfeffers. Dann langsam das Öl unter ständigem Rühren zugießen, bis sich alles verbunden hat. Jetzt erst probieren! Durch die Lake ist oft schon genug Salz da. Falls nötig, vorsichtig nachsalzen.
- Vermengen und ziehen lassen: Gieße das Dressing über die Wurst-Gemüse-Mischung. Mit sauberen Händen oder zwei großen Löffeln alles sanft, aber gründlich vermengen. Jetzt kommt der wichtigste Schritt: Den Salat mindestens eine Stunde, besser zwei, zugedeckt im Kühlschrank ziehen lassen. In dieser Zeit tun sich Wunder. Die Aromen vermählen sich, die Zwiebel wird mild, die Wurst saugt die würzige Lake auf und wird unglaublich saftig. Kurz vor dem Servieren den frisch gehackten Schnittlauch unterheben – so behält er seine Farbe und Frische.
Anmerkungen und Variationen
Das macht den Unterschied: Meine besten Tipps
Der häufigste Fehler? Zu wenig Zeit zum Durchziehen. Ein frisch gemischter Wurstsalat ist gut. Ein durchgezogener ist ein Gedicht. Plane das ein. Zweiter Punkt: Die Wurstwahl. Ein echter Bayerischer Wurstsalat lebt von der groben Brühwurst. Wenn du keine Regensburger findest, nimm eine andere grobe Fleischwurst oder sogar Bierschinken, aber bitte keine weichen Würstchen. Und verwende niemals Mayonnaise für das Original – das ist ein Sakrileg!
Lass dich inspirieren: Klassische Variationen
Traditionell wird der Salat mit Radi serviert – das peppt ihn nochmal richtig auf. Probier es aus! Eine weitere, vor allem in Schwaben beliebte Variante ist die Zugabe von in Streifen geschnittenem Emmentaler oder Bergkäse. Dann wird aus dem Wurstsalat schnell ein „Wurst-Käse-Salat“, eine komplette Mahlzeit. Und für die, die es cremiger mögen: Ein Klecks saurer Rahm oder Crème fraîche im Dressing macht es etwas milder und sahniger – zwar nicht original, aber lecker.
Was dazu passt: Die perfekte Begleitung
Ein knuspriges Bauernbrot, frisch vom Bäcker, oder eine Breze sind die idealen Partner. Dazu ein kühles Helles oder ein Radler an einem heißen Tag. Und schon ist das Glück perfekt. Also, worauf wartest du? Schnapp dir ein scharfes Messer, hol dir die richtigen Zutaten und leg los. Deine nächste Brotzeit wird die beste werden. Guten Appetit und Prost!




